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2008

Jahresbericht 2008

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Artikel im Grazer am 14.12.2008:

Weil ich ein Mädchen bin!
Information und Prävention zum Thema "Sexuelle Gewalt"

Doris Kirschner (Leiterin des Frauenreferates der Stadt Graz), Frauenstadträtin Elke Edlinger und Yvonne Seidler (Verein Hazissa) freuen sich, mit "Weil ich ein Mädchen bin!" ein weiteres wichtiges Projekt in der Präventionsarbeit starten zu können.

Die Fachstelle für Prävention hat in Zusammenarbeit mit Frauenstadträtin Elke Edlinger und dem Frauenreferat der Stadt Graz eine jugendgerechte Broschüre (Leporello) zusammengestellt, welche an die Grazer Hauptschulen,  Neue Mittelschulen und an die Unterstufen der Grazer AHS verteilt wurden.

In klar verständlicher Sprache sollen Mädchen dafür sensibilisiert werden, dass sie das Recht haben, sich vor sexuellen Übergriffen jeder Art und egal von wem zu schützen. Gleichzeitig beinhaltet die Broschüre Adressen aller Anlaufstellen, welche Information, Hilfe und Unterstützung im Falle einer solchen Bedrohung, bzw. eines Übergriffes bieten.

Hand in Hand mit der Broschüre geht eine Plakataktion, welche in ansprechenden Bildern und mit markigen Überschriften Themen wie Körper, Respekt, Berührung, Gefühle  u.a., sowie den richtigen Umgang damit sozusagen sichtbar machen.

Bei Interesse an dieser Aktion melden Sie sich bitte unter Tel: 0 316 872-4673 oder per Email: eveline.dohr@stadt.graz.at.

Alle Plakate auf einen Blick:

 

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16.07.2008: ONE spendet mobilen Internetzugang

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Ing. Norman Gschier (Shop-Manager ONE World Graz) und Sozialstadträtin Elke Edlinger übergeben Mag.a Yvonne Seidler (Mitte) von HAZISSA ein H.U.I.-Set.

Gewaltprävention im Internet
Durch Spende möglich

Von Nina Pölzl
„Wir können nun in Workshops direkt mit Jugendlichen online den richtigen Umgang mit den Gefahren des Internets trainieren und so wirkungsvoll gegen sexuelle Gewalt in Chats und Websites vorbeugen," freut sich Mag. Yvonne Seidler, Geschäftsführerin des Vereins HAZISSA, über den kostenlosen mobilen Internetzugang H.U.I., den ONE nun für ein Jahr zur Verfügung stellt. Sozialstadträtin Elke Edlinger hat dieses Sponsoring eingefädelt: „Toll, dass dank dieser Spende nun HAZISSA die Möglichkeit hat noch effizienter - weil mobil online - im Bereich Prävention von Gewalt gegen Kinder zu arbeiten." Norman Gschier, Shopmanager der ONE World Graz, überreichte an Stadträtin Elke Edlinger und Mag. Yvonne Seidler das H.U.I.-Paket und freut sich, einen aktiven Beitrag zum richtigen Umgang mit dem Internet zu leisten. HAZISSA ist eine anerkannte Fachstelle für Prävention gegen sexualisierte Gewalt an Kindern, Jugendlichen und Menschen mit Behinderung.

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Artikel in der Presse am 07.05.2008

„Sexuelle Übergriffe durch Kinder leider häufig"
06.05.2008 | 18:18 |  JUDITH LECHER (Die Presse)
Jede dritte Vergewaltigung wird von Kindern verübt. Opfer schweigen häufiger als bei erwachsenen Tätern.
Wien. Ein Kind vergewaltigt ein Kind – was zunächst unglaublich klingt, gehört für Yvonne Seidler zum Alltag. „Leider passiert so etwas häufig", sagt die Leiterin von „Hazissa", einer Grazer Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt an Kindern. In der Öffentlichkeit werde bloß nicht darüber gesprochen.
„Dieses Thema ist noch stärker tabuisiert, als es sexueller Missbrauch ohnehin schon ist", sagt Seidler. Studien aus Deutschland zeigten, dass ein Drittel der sexuellen Übergriffe – von Grapschen bis erzwungenem Sex – auf das Konto von Kindern und Jugendlichen geht. Und zwar schon immer. „Es gibt nicht mehr junge Täter als früher, sie werden bloß erst jetzt wahrgenommen."
Offizielle Statistiken der Polizei sucht man jedoch vergebens. Schließlich wird die große Mehrheit der Sexualstraftaten durch Kinder wegen der fehlenden Strafmündigkeit nicht verfolgt.
Sehr hohe Dunkelziffer
Der Großteil der Fälle dringe nicht einmal bis zur Polizei vor, so die Pädagogin. Opfer von jungen Tätern würden nämlich noch öfter schweigen, als wenn ein Erwachsener sich an ihnen vergeht. Einerseits, weil die Eltern sie gelehrt hätten, ihre Probleme „untereinander zu regeln"; andererseits wegen der Annahme, dass Erwachsene „ja doch nichts tun können", erklärt Seidler. Mit der Polizei wollen sie meist nichts zu tun haben.
Kommt es in einem Fall zur Anzeige, landen Täter unter 14 nicht vor dem Richter, sondern werden von einem Sozialarbeiter betreut und nehmen – im Idealfall – an einem Präventionsprojekt teil. „In Kärnten gibt es allerdings wenig Angebot", nimmt die Grazer Expertin Bezug auf den aktuellen Fall (siehe Artikel oben).
Gegenmaßnahmen seien unbedingt notwendig, um eine spätere „Karriere" als Sex-Täter abzuwenden. Immerhin zeigen Studien, dass ein Drittel in der Kindheit auffällig geworden war. Das Ziel einer Therapie: „Der Bursche muss lernen, dass er seine Bedürfnisse nicht mit Gewalt durchsetzen darf." Und das Mädchen? „Sie braucht wohl therapeutische Unterstützung." Den ersten Schritt um die Vergewaltigung zu verarbeiten habe die Achtjährige getan, indem sie ihrer Mutter Bescheid gegeben habe. Seidler: „Kinder geben sich oft selbst die Schuld. Es ist toll, dass sie den Mut gehabt hat, sich Hilfe zu holen."
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.05.2008)

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Artikel in Leben Lachen Lernen, Heft 34, April 2008

Mein Körper gehört MIR!
Eine Workshopreihe für Jugendliche (mit Down – Syndrom) zur Prävention von sexueller Gewalt.
Christine Bramerdorfer,  Verein Hazissa, Graz

Hat man Ihnen schon einmal applaudiert? Einfach so? Weil Sie SIE sind? Weil sie richtig wichtig sind, so wie sie sind? - Probieren Sie es aus und holen Sie sich Applaus von ihrer Familie, ihren Freunden und Bekannten.
Und so geht das: Stellen Sie ich vor die anderen hin,  steigen Sie auf einen Sessel, einen Tisch oder so hoch sie sich trauen und lassen Sie sich applaudieren. Spüren Sie, wie sich ein Wohlgefühl in ihnen breit macht, wie sie unweigerlich lächeln müssen. Wie sie sich stark und selbstbewusst fühlen.

Solche und viele andere Erfahrungen konnten die Jugendlichen in den drei Workshops Unter dem Motto: Mein Körper gehört MIR! machen. Aber wozu?

Selbstbewusste und „starke" Kinder können sich besser abgrenzen und zur Wehr setzen.

In der Präventionsarbeit gegen sexualisierte Gewalt sollen Kinder und Jugendliche gestärkt werden und ihr Selbstvertrauen gefestigt werden. Um sich gegen sexuelle Übergriffe zu wehren, ist es nötig diese überhaupt als solche wahrzunehmen und einordnen zu können. Dazu müssen Kinder ihren Gefühlen vertrauen können. Kinder haben das Recht schlechte Geheimnisse weiter zu erzählen und „komische" oder verletzende Berührungen zurückzuweisen. Informationen und Wissen über das Thema sexuelle Gewalt und das Bewusstsein dafür, dass jeder Mensch das Recht auf Hilfe hat sind weitere wichtige Voraussetzungen der Prävention.

Prävention sexueller Gewalt richtet sich aber nicht nur an Kinder und Jugendliche. In erster Linie sind wir Erwachsenen es, die die Verantwortung dafür tragen, dass Kinder vor Missbrauch geschützt sind. Deswegen sind Information und Sensibilisierung, insbesondere für eine Erziehung zur Selbstbestimmung wichtig. Je mehr Menschen darüber Bescheid wissen, wie sie im Falle eines sexuellen Missbrauchs reagieren können, desto leichter können Missbrauchssituationen gestoppt werden und desto besser kann betroffenen Kindern geholfen werden.

An der Workshopreihe haben 4 Mädchen und Burschen teilgenommen, initiiert wurde er vom Institut „Leben Lachen Lernen, Leoben – einen herzlichen Dank an Frau Mag. Bernadette Wieser.

Der erste Termin stand unter dem Motto: Mein Körper:  Meine Grenzen - deine Grenzen
Mit Hilfe eines lebensgroßen „Ich – Bildes"  haben wir uns mit unseren Besonderheiten und unseren Stärken auseinandergesetzt. Angenehme und unangenehme Berührungen wurden thematisiert und in vielen Übungen und Spielen konnte die eigene Stärke erspürt werden, konnten die TeilnehmerInnen NEIN – sagen üben und ihren Standpunkt verteidigen. Besonderes Augenmerk lag beim Erspüren, Differenzieren und Verbalisieren von angenehmen und unangenehmen Berührungen. Welche Berührung macht ein JA-Gefühl, welche ein NEIN-Gefühl. Die Information, die die Jugendlichen mitnehmen konnten lautete:
„Ich weiß, dass andere, auch Erwachsene mich nicht berühren dürfen, wenn ich es nicht will, oder wenn es mir unangenehm ist. Das ist verboten!"
Und natürlich konnten alle TeilnehmerInnen sich ausgiebigen Applaus abholen.

Der zweite Termin stand unter dem Motto: Meine Gefühle sind richtig wichtig!
In der Geschichte: „Anna und der Löwe" erlebt Anna in ihrem Abenteuer viele verschiedene Gefühle. Wir setzten uns damit auseinander, in welchen Situationen wir uns wie fühlen, wie wir Gefühle ausdrücken können und versuchten mit Körper und Gesicht verschiedene Gefühle nachzustellen. Wir bastelten Gefühlsgesichter aus Plastilin und ein Gefühle – Barometer und überlegten, wie wir erkennen können, was andere Menschen fühlen.
Gefühle zeigen uns, ob ein Geheimnis ein gutes oder ein schlechtes Geheimnis ist – Im Buch: „Anna ist richtig wichtig" zeigt Anna, wie sie mit schlechten Geheimnissen umgeht und wie sie sich Hilfe holt um sich gegen unangenehme Geheimnisse zu schützen.
Wir übten das Unterscheiden von Bauchweh – und Herzklopfengeheimnissen und überlegten für uns, welche Personen uns in verschiedenen Situationen helfen können. Damit wir uns gut erinnern, schrieben wir unsere Vertrauenspersonen auf. - Und nicht zu vergessen: ausgiebig Applaus abholen.

Der dritte Termin stand unter dem Motto: Ich werde erwachsen!
Sexualpädagogik und Aufklärung sind ein wesentlicher Bestandteil präventiver Erziehung. Kinder und Jugendliche brauchen eine Sprache für sexuelle Vorgänge und Körperteile. Sie brauchen das Gefühl: „Ich darf über sexuelle Dinge sprechen". Ein „inneres" Verbot über Sexualität zu sprechen, erschwert auch das Sprechen über sexuelle Gewalt.

Mit Hilfe von „Körperpuzzles" von einem Mädchen und einem Jungen, wurden Unterschiede und Begriffe für Geschlechtsorgane erarbeitet. Auch die körperlichen und psychischen Veränderungen in der Pubertät wurden besprochen. Unter dem Motto: Alles, was ich wissen will..." wurden Fragen zu Menstruation, Schwangerschaft, Geburt und vieles mehr beantwortet. Der Film: „So kriegt man also Kinder" zeigte kindgerecht die Entstehung eines Babys und verdeutlichte noch einmal die Themen der beiden ersten Termine. Zum Nachlesen für zu Hause bekamen alle TeilnehmerInnen eine Broschüre.
Ausgiebig Applaus abholen und die Verabschiedung mit einem lachenden und einem ein wenig traurigen Auge bildeten den Abschluss der Workshops.

Die durchgeführten Workshops sind natürlich nur ein kleiner Teil im Rahmen von präventiver Erziehung. Prävention ist am wirkungsvollsten, wenn sie in der Erziehungshaltung im Alltag integriert ist. Dazu ein paar Tipps für Eltern im Umgang mit Kindern und Jugendlichen.
Vorbeugung als Erziehungshaltung:

?    Genießen Sie mit Ihren Kindern liebevolle Zärtlichkeiten, aber achten Sie genau darauf, ob, wie und wann sie das möchten. Respektieren Sie auch kleinste Zeichen von Gegenwehr oder Unwillen.
?    Unterstützen Sie Ihr Kind, auch bei anderen Menschen Berührungen, die es nicht mag, zurückzuweisen. Ergreifen Sie Partei für Ihre Tochter oder Ihren Sohn, auch wenn Sie sich damit den Unmut von Großeltern, Verwandten oder Bekannten einhandeln.
?    Beteiligen Sie Ihre Kinder an Entscheidungen der Familie, besonders wenn es die Kinder selbst angeht. Nehmen Sie Ihre Meinung ernst, akzeptieren Sie mal ein „Nein" oder ein „Ich will nicht".
?    Nutzen Sie ruhige Stunden, um mit ihrem Kind über seine Erlebnisse, Gefühle, Sorgen oder Freuden zu sprechen. Ermutigen Sie sie/ihn, mit anderen Vertrauenspersonen zu reden, wenn sie/er bestimmte Dinge nicht erzählen will.
?    Lassen Sie ihrem Kind seine Wahrnehmung und Einschätzung von Situationen und Gefühlen. Bestärken Sie ihr Kind, sich nichts einreden zu lassen, was ihr/ihm widerstrebt.
?    Sprechen Sie mit ihrem Kind über Sexualität.
?    Erzählen Sie dem Kind, dass es gute und schlechte Geheimnisse gibt: Gute Geheimnisse machen Freude und sind spannend, z.B. wenn man nicht weiß welches Geschenk es zu Weihnachten gibt. Schlechte Geheimnisse dagegen machen Kummer und bedrücken. Bestärken Sie ihr Kind, solche Geheimnisse zu erzählen, auch wenn es ein Erwachsener verboten hat.
?    Ermutigen Sie Ihre Tochter oder Ihren Sohn, die eigenen Gefühle auszudrücken, egal ob dies nun angeblich zu einem Mädchen oder Jungen passt oder nicht.
?    Freuen Sie sich, wenn Ihre Tochter selbstbewusst und eigenwillig ist, auch wenn Ihr Nachbar sagt, sie sei kein richtiges Mädchen, sondern ein Wildfang. Fördern sie diese Eigenschaften.
?    Lassen Sie Ihren Sohn auch Gefühle wie Angst, Schwäche und Hilflosigkeit ausleben und darüber sprechen.
?    Achten Sie auf einen gleichberechtigten, partnerschaftlichen Umgang zwischen Frauen und Männern, in der Familie und außerhalb, dies ist ein Stück Vorbeugung.

Literatur:
Anna ist richtig wichtig. Ein Bilder-Vorlesebuch für Mädchen über sexuelle Gewalt. Mit pädagogischem Begleitmaterial. Herausgeberinnen: Wildwasser Würzburg e.V. 2007

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Interview Radio Steiermark zu "Gewalt an Schulen" am 27.03.2008

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