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2007

Jahresbericht 2007

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Artikel in der Presse am 19.11.2007:

Das große Tabu: Jugendliche Sextäter
18.11.2007 | 18:08 |  ANDREAS WETZ (Die Presse)
Ein Drittel aller erwachsenen Sextäter war in Jugendjahren einschlägig auffällig. Die Rückfallquote könnte bei entsprechender Behandlung mehr als halbiert werden.

wien.Jugendliche Sexualstraftäter sind in der Gesellschaft ein Tabuthema, sagen Experten. Und schlagen Alarm: Denn die Dunkelziffer sei hoch. Die Fachleute fordern: mehr Therapieplätze, um die Rückfallquote senken zu können, mehr Aufklärung und das Brechen des Tabus.
„Dass Kinder und Jugendliche im Zusammenhang mit Sittlichkeitsdelikten nicht nur Opfer, sondern in vielen Fällen auch Täter sind, wird von unserer Gesellschaft bis heute gern verschwiegen", sagt Yvonne Seidler vom Verein „Hazissa", einer „Fachstelle für Prävention – gegen sexualisierte Gewalt" in Graz. Dies äußere sich darin, dass Übergriffe meist gar nicht angezeigt würden, und es deshalb auch kaum spezialisierte Einrichtungen in Österreich gibt, die sich derartigen „Problemkindern" auf kompetente Art und Weise annehmen. Seidler: „Eben das wäre aber nötig. Aus der Forschung wissen wir, dass ein gutes Drittel aller erwachsenen Sextäter bereits in Jugendjahren einschlägig auffällig war. Es mangelt an Therapieeinrichtungen."
Peter Wanke, Leiter des Wiener Vereins „Limes", eine der wenigen Einrichtungen, die auf die Therapie jugendlicher Sexualstraftäter spezialisiert ist, nennt die emotionale Verwahrlosung vieler Kinder in ihrer Familie als Problem.
Die Kölner Rechtspsychologin Sabine Nowara entdeckte bei der Analyse von 320 Fallgeschichten minderjähriger Sextäter einen weiteren Aspekt: Viele hatten über lange Zeit große Mengen pornografischen Materials konsumiert – ohne dass Eltern auch nur versucht hätten, dem einen Riegel vorzuschieben. Andere Studien ergaben, dass fast alle jugendlichen Triebtäter selbst Missbrauchsopfer sind.
„Limes"-Leiter Wanke, der auch in der Wiener Jugendanwaltschaft tätig ist, ortet ebenfalls „dringenden Bedarf" für zusätzliche Therapieplätze. „Die Öffentlichkeit hinkt bei diesem unangenehmen Thema hinterher. Im Vordergrund stehen immer noch die erwachsenen Sextäter. Dass es das auch bei Jugendlichen und Kindern gibt, fängt die Allgemeinheit gerade erst an wahrzunehmen."
Dabei sei die Therapie jugendlicher Sextäter extrem wichtig, sagen sowohl die Wiener Jugendanwältin Monika Pinterits, als auch der Kieler Pädagoge Klaus-Peter David. Studien des deutschen Kriminalforschungszentrums hätten gezeigt, dass 25 Prozent der Täter binnen fünf Jahren rückfällig werden. Schickt man die Jugendlichen jedoch in Therapie, verringert sich die Quote auf bis zu 10 Prozent.
Wie knapp bemessen die Therapiekapazitäten tatsächlich sind, erlebte auch Jugendrichterin Beate Matschnig. „Als ,Limes' im Sommer vor dem Aus stand, wussten wir bei Gericht eine Zeit lang nicht, wohin wir die Jugendlichen schicken sollten, weil es sonst nur vereinzelte Angebote gibt."
Das Justizministerium erklärt sich nun bereit, für jeden verurteilten Sextäter, der vom Jugendrichter zur Therapie zu „Limes" geschickt wird, 128 Euro pro Woche zu überweisen. Einschränkung: für höchstens zehn Personen im Jahr. Stadt Wien und Sozialministerium zogen sich als Sponsoren gänzlich zurück.

„Geheime" Statistik
Richter verpflichten Jugendliche sowohl im Vorverfahren, also auch nach einer bedingten Verurteilung oft zur Therapie. Nach der Einigung zwischen „Limes" und dem Justizministerium ist das Angebot zwar wieder da, allerdings ist es äußerst knapp bemessen. Allein die Wiener Justiz schickt jährlich zwischen 10 und 14 minderjährige Sextäter in Therapie. Die Nachfrage von Fürsorge und Eltern, die ihren Kindern aus eigenem Antrieb helfen wollen, ist dabei noch gar nicht berücksichtigt.
Wie sehr das Thema in Österreich noch ein Tabu ist zeigt, dass die einschlägige Statistik des Bundeskriminalamts (die Statistik für erwachsene Sextäter wird in regelmäßigen Abständen publiziert; Anm.) nur auf Anfrage zu erhalten ist. Demnach wurden 2006 von der Exekutive 276 tatverdächtige Jugendliche ermittelt. Wanke: „Die Dunkelziffer ist unter Garantie noch höher als bei den Erwachsenen."
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.11.2007)

06.10.2007: Hazissa beim 1. steirischen NGO-Tag:

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Univ.Prof. Dr. Peter Filzmaier, Landesrätin Dr.in Bettina Vollath, Landeshauptmann Mag. Franz Voves, NGO-Koordinatorin Mag.a Yvonne Seidler, Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl.

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September 2007, Bildungskorso:

Gemeinsam stark gegen Gewalt! – Gewaltprävention in der Schule

Das Projekt „HALT-Gewalt – Gemeinsam stark gegen Gewalt" entstand aus einer Initiative von Landesrätin Dr.in Bettina Vollath und wurde von Hazissa, Mafalda und der Männerberatung Graz umgesetzt. Es besteht im Wesentlichen aus Lehrerfortbildungsangeboten, themen-zentrierten Elternabenden und Workshops mit SchülerInnen.
Konflikte lassen sich nicht vermeiden, Gewalt dagegen schon!
Im Umgang mit dem Thema Gewalt hat sich in den letzten Jahrzehnten vieles geändert. Gewalt an Kindern wurde geächtet und gesetzlich verboten, und auch die Gewalt unter Kindern und Jugendlichen rückte in das Blickfeld der  ffentlichkeit. Bei PädagogInnen und ErzieherInnen hat die Sensibilität  zugenommen, Gewalt-andlungen, auch sexualisierte Gewalt, wahrzunehmen und zu thematisieren.
Ziel des Projektes ist es, SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern dabei zu unterstützen ein gewaltfrei(er)es Miteinander in der Schule leben zu können. Es sollen die nötigen Kompetenzen zu einer gewaltfreien Konfliktbearbeitung erarbeitet, erweitert und gefestigt werden.
Eltern und Lehrkräfte müssen zusammenwirken.
Gewaltprävention kann nur gelingen, wenn sie auf SchülerInnen-, LehrerInnen- und Elternebene ansetzt. Eltern und Lehrkräfte sind aufgefordert, gemeinsam aktive Erziehungsarbeit zu leisten. Im Mittelpunkt steht die Förderung und Entwicklung von Werten und Haltungen, die einen respektvollen, gleichwertigen und gewaltfreien Umgang miteinander gewährleisten. Dazu gehören die Wertschätzung der anderen, Kooperationsbereitschaft, Verantwortungsbewusstsein für sich und die anderen, die Anerkennung von Regeln und Vereinbarungen, Kommunikationsfähigkeit und das Erkennen und Benennen von Konflikten und Gewaltsituationen.
Geschlechterrollen sind mit verantwortlich für Gewaltverhältnisse.
Prävention ist aber auch nicht vorstellbar ohne Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Strukturen von Geschlechterrollen, Geschlechter-hierarchien, von Bildern von Weiblichkeit und Männlichkeit vor dem Hintergrund individueller Gewalter-fahrungen. Die Zugehörigkeit zu einem Geschlecht prägt in ganz spezifischer Weise im Laufe des Heranwachsens alle Situationen, Anforderungen und auch individuelle Bedürfnisse. Geschlechter-hierarchie,  Geschlechterrollen, Männlichkeits- und Weiblichkeitsbilder sind mitverantwortlich für die der-zeitigen Gewaltverhältnisse. Betrachtet man den Geschlechterunterschied, zeigt sich, dass Buben vor allem Täter offener, physischer Gewalt (z.B. Schlagen oder Raufen) sind, während Mädchen vor allem psychische Aggression (z.B. Ausgrenzen oder Mobbing) ausüben. Die höhere Aggression der Buben hat nach Ansicht von Studienautorinnen u.a. auch mit den „Rollenentwürfen" zu tun. All das muss in einem Präventionsprogramm berücksichtigt werden.
Lehrerweiterbildungen und Elternabende.
Im Programm HALT-Gewalt wird in Lehrerweiterbildungen  und Elternabenden das Thema diskutiert und gemeinsam werden Handlungsalternativen besprochen. Grundlage sind theoretische Informationen über Formen von Gewalt und gewalt-fördernden Faktoren sowie Möglichkeiten der Prävention.
Für LehrerInnen stehen Weiterbildungen im Ausmaß von acht Stunden zur Verfügung, mit den Inhalten: „Gewalt in der Schule" und „Prävention und Umsetzung im pädagogischen Alltag".
In den Elternabenden, die ca. 2 Stunden dauern, erhalten Eltern Grundinformationen zum Thema. Es können Fragen gestellt und das Präventionsprogramm und die Inhalte der Workshops mit den SchülerInnen
sollen vorgestellt werden.
Workshops mit Schülerinnen und Schülern.
In geschlechtshomogenen Gruppen (mit idealerweise 6 bis 12 TeilnehmerInnen) werden in zumindest 15 Stunden die Hauptbereiche der Gewaltprävention bearbeitet. Über die Stärkung des Selbstwertgefühles und die Auseinandersetzung mit Gefühlen und Grenzen sollen soziale Kompetenzen ausgebaut und gestärkt werden.
Durch Empathietraining, Abbau von Vorurteilen, Steigerung der Toleranz und Hinterfragung von Geschlechterrollenzuschreibungen soll ein gewaltfreieres Miteinander geschaffen werden. In einem „Streit-Training" sollen Fertigkeiten und Fähigkeiten erworben und gefestigt werden, um besser miteinander zu kommunizieren und gewaltfreie Konfliktlösungsstrategien anwenden zu können.
Informationen und Kontakt: Hazissa, www.hazissa.at

Hazissa bei "Willkommen Österreich" am 14.2.2007:

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Artikel in der Presse am 02.02.2007

(Die Presse) 02.02.2007  Jeder dritte sexuelle Übergriff von Kindern verübt
Expertin rät zu Gegenmaßnahmen: Nur so könne spätere "Karriere" als Sex-Täter verhindert werden.

Wien (awe). 3683 Sexualstraftaten gelangten 2006 in Österreich zur Anzeige. Diese Statistik bezieht sich jedoch nur auf Delikte, die von über 18-Jährigen verübt wurden - Übergriffe von Kindern und Jugendlichen sind darin nicht enthalten.
Eine Grazer Expertin lässt nun im Gespräch mit der "Presse" aufhorchen. Demnach wurde dieses heikle Thema in Vergangenheit nämlich sträflich vernachlässigt. "Bereits ein Drittel aller sexuellen Übergriffe wird inzwischen von Kindern und Jugendlichen ausgeübt", sagt Yvonne Seidler, Leiterin von "Hazissa", der Grazer Fachstelle für Prävention gegen sexualisierte Gewalt an Kindern. Die 39-jährige Pädagogin stützt sich dabei auf Untersuchungen aus Deutschland. Die überwältigende Mehrzahl der Übergriffe von Kindern an Kindern würde auf Grund der fehlenden Strafmündigkeit jedoch nicht verfolgt.
"Dieses Tabuthema wurde zuletzt einfach aus dem täglichen Leben geleugnet." Ein fataler Fehler wie sie meint, denn: "Wenn man sich dieser Buben nicht bereits im Kindesalter intensiv annimmt, kann das später schwere Folgen haben." Gemeint ist damit eine Sexualstraftäter-Karriere als Erwachsener. Natürlich haben Übergriffe - meistens finden diese in der Schule, seltener in der Nachbarschaft statt - im Kindesalter eine andere Qualität als bei Erwachsenen.
"Konkret geht es dabei meistens um das gewaltsame Ausziehen von Rock oder BH, Grabsch-Attacken und stark sexualisierte Sprache", erklärt Seidler. In der Regel seien es vor allem Buben, die handgreiflich werden. "Aber gerade bei den Mädchen beobachten wir eine starke Zunahme von sexuellen Übergriffen verbaler Natur." Verantwortlich dafür macht Seidler die ihrer Meinung nach "übersexualisierte" Alltagswelt der Erwachsenen, die mit all ihren Reizen unreflektiert auf die Heranwachsenden prasselt.
Im Sinne der Täterprävention empfiehlt Seidler betroffenen Eltern und Lehrern, unbedingt professionelle Hilfe zu holen, wenn sie Zeugen sexueller Übergriffe von Kindern werden. Leider würde das Thema nämlich immer noch bagatellisiert. "Meistens hören wir Rechtfertigungen wie: ,Die Buben sind halt so'." Studien jedoch zeigen, dass bei jedem dritten späteren Sex-Täter erste Tendenzen bereits im Kindesalter zu erkennen waren. "In diesem Alter können soziale Kompetenzen und die Fähigkeit zur Konfliktlösung so geschult werden, um spätere Fehlentwicklungen zu verhindern."
"Hazissa" bietet in Graz bereits ein umfassendes Präventionsprogramm für Schulen an. In den Bundesländern sind die Männerberatungsstellen die Ansprechpartner für Interessierte.
www. hazissa.at

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Artikel in den Salzburger Nachrichten am 16.01.2007

Salzburger Nachrichten 16. 1. 2007

Eigene Datei für Sextäter
Institutionen, in denen Kinder und Jugendliche ein- und ausgehen, sollen